Logo Onkie Nr.6 - Herbst 2003

Das Magazin der Hämatologisch-Onkologischen Abteilung
im Dr. von Haunerschen Kinderspital München
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PD Dr. Borkhardt

Grußwort
PD Dr.med. Arndt Borkhardt

Im Juni diesen Jahres, kurz nachdem ich die Leitung der Hämatologie & Onkologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital übertragen bekommen habe, wurde ich in einem freundlichen Brief von Frau Beller-Wendling gefragt, ob ich ein Vorwort für diese Ausgabe verfassen könnte. Ich habe mich damals sehr über das „Herzliche Willkommen“ der Elterninitative Intern 3 gefreut.

Wenige Tage vorher, Anfang Mai 2003, hatte mein „alter“ Chef Professor Fritz Lampert anlässlich seines 70. Geburtstages im Gießener Schloß seine Lebenserinnerungen bei einer Buchlesung vorgestellt. Darin schilderte er, wie er 1971 als junger Oberarzt nach München kam und wie Professor Haas dann 1975 sein Nachfolger im „Hauner“ wurde, da er selbst zwischenzeitlich die neugegründete Abteilung in Gießen übernommen hatte. Auch die Namen von Professor Belohradsky und Frau Professor Bender-Götze finden sich oft auf den Buchseiten, die von den Münchner Jahren im Berufsleben von Professor Lampert erzählen.

Auch mir ging vieles durch den Kopf, als ich mich entschied, nach 13 Jahren eine Klinik zu verlassen, eine Klinik, an der man sich sehr wohl gefühlt hat, wo man die Ausbildung zum Kinderarzt erhalten, viele Patienten, Freunde, Mitarbeiter auf der Station, Ambulanz und im Labor kennen und schätzen gelernt hat.
Doch wie sagte mir Professor Karl Welte, der Leiter der Pädiatrischen Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, kürzlich bei einem gemeinsamen Treffen in der Lüneburger Heide in Anlehnung an Hermann Hesse: „Denk daran, in jedem Anfang liegt ein neuer Zauber ...“.

Natürlich habe ich mich sehr gefreut, als ich gefragt wurde, ob ich die Leitungsfunktion als Nachfolger von Professor Haas/Frau Professor Bender-Götze übernehmen möchte. Ich bin auch sehr gespannt auf die neue Aufgabe in München, auf neue Erfahrungen, Eindrücke, Begegnungen und Kollegen.

Welche Dinge sehe ich gegenwärtig als am Vordringlichsten an, obwohl ich den großen Gesamtbereich der Hämatologie/Onkologie bisher nicht selbst kennen gelernt habe?

Ich glaube, dass der Um- und Ausbau der Blutstammzelltransplantation, wie von der Elterninitative Intern 3, Professor Reinhardt, dem onkologischen Team um Frau Professor Bender-Götze und anderen Verantwortlichen schon initiiert und geplant, die wichtigste Aufgabe der nächsten Zeit sein wird. Frau Professor Bender-Götze war die erste Kinderonkologin in Deutschland, die ein Kind mit schwerer Erkrankung knochenmarktransplantiert hat, damals noch in der Kinderpoliklinik. Wie richtig und zukunftsweisend dieser Schritt war, sieht man heute, wo jährlich Hunderte Blutstammzelltransplantationen bei Kindern durchgeführt werden.

Warum ist gerade die Blutstammzelltransplantation so wichtig geworden?

Wir verstehen heute durch die neuen Labormethoden viel besser, wie Abwehrzellen des Spenders gegen Tumorzellen des Empfängers vorgehen können. Während diese Methode ursprünglich vor allem für die Behandlung von primären Erkrankungen des Knochenmarks, also z.B. für die Leukämietherapie, entwickelt wurde, gibt es zunehmend Hinweise, dass auch Kinder mit anderen Erkrankungen davon profitieren können. Und noch eine weitere Entwicklung darf nicht übersehen werden, die ebenfalls wesentlich durch neue Erkenntnisse der immunologischen Forschung hervorgerufen worden ist. Heute findet man fast für jedes Kind, das einer Blutstammzelltransplantation bedarf, einen möglichen Spender, unter speziellen Umständen stehen selbst Vater oder Mutter dafür bereit!

Kein Zweifel, der Bedarf an der Durchführung der Blutstammzelltransplantationen wird auch in Zukunft weiter steigen!

Der mit der Einrichtung der neuen LAF freiwerdende Bereich der alten, jetzigen LAF im Bereich der Station Intern 3 wird auch helfen, die räumliche Enge, die mit der Integration der Kinderpoliklinik in den Räume des Dr. von Haunerschen Kinderspitals zweifellos entstanden ist, teilweise abzumindern.

Zudem erhoffe ich mir einen eigenen Forschungsbereich im Dr. von Haunerschen Kinderspital aufzubauen, wo Fragen der Leukämie- und Tumorgenetik, die Mechanismen der Krebsentstehung und natürlich neue Möglichkeiten der Beeinflussung der Krebsgene durch Medikamente untersucht werden können. Die Voraussetzungen hierzu sind sicher hervorragend: Erfahrene Mitarbeiter in der Kinderonkologie, ein neuer Forschungstrakt in der Kinderklinik, renommierte Grundlagenforscher, Institute und biotechnologische Firmen in München und der näheren Umgebung.

All das, sowie der exzellente Ruf und der hohe Standard, den die Kinderonkologie an der LMU (sowohl im Dr. von Haunerschen Kinderspital als auch in der früheren Kinderpoliklinik) durch die hervorragende Arbeit von Ärzten und Schwestern sowie durch die engagierten Elternverbände seit vielen Jahren aufweist, haben mir den Abschied aus Gießen dennoch leicht gemacht.

IhrPD Dr. Borkhardt

Der Orginaltext als PDF-Dokument (64 kB)

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Zuletzt aktualisiert durch Udo Fischer, 15.10.2011