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Elterninitiative Intern 3 im Dr. von Haunerschen Kinderspital München e.V. |
| Ernst Bauer |
Die Fall-Pauschalen (DRGs*)
und andere Auswirkungen des Kostensparens
Ist es sinnvoll, weiter zu machen?
Zum
Jahreswechsel hat mich die Austrittserklärung eines Mitglieds
erreicht, das die Elterninitiative jahrelang unterstützt hat. Er
schrieb (Auszug): "... Zu unserer Freude verfügen Sie
aber jetzt über so viele Geldmittel, dass Sie fast das halbe
Krankenhaus, vor allem im Personalstand, bezahlen können
..." Dies hat mich sehr nachdenklich gestimmt!
Was ist Fakt?
- Nicht nur wir, sondern mit uns auch andere Hilfsorganisationen bezahlen mehr
als die Hälfte des ärztlichen Personals und des
psychosozialen Teams der Kinderkrebsstation.
- Wir haben zugesagt, für eine neue Abteilung für Stammzell- und
Knochenmarktransplantationen 1,5 Millionen Euro aus Spendenmitteln
mitzufinanzieren. Voraussetzung ist, dass wir in die Planung
eingebunden werden.
- Darüber hinaus kümmern wir uns,
dass es ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten für
Mütter von Kindern, die von außerhalb kommen, gibt, dass
die Eistruhe gefüllt ist, dass der Tapferkeitskorb funktioniert,
dass Unterhaltung für die Kinder gegeben ist, dass ausreichend
Spielsachen vorhanden sind und vieles mehr, was unserem Ziel dient,
der Krankheit Krebs bei Kindern mehr Leben abzuringen.
Zusammengefasst muss man sich wirklich
die Frage stellen, ob eine moderne, geordnete Behandlung
krebserkrankter Kinder und damit die Ausbildung des
Mediziner-Nachwuchses überhaupt noch möglich wäre,
wenn nicht "von außen" die Kosten mitgetragen werden
würden.
Müssen wir denn zweimal zahlen,
als Staatsbürger über Steuern und über Spenden, um
konkret zu helfen? Ist dies Bequemlichkeit oder Kalkül der
Verantwortlichen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich
Verantwortliche für Finanzen an Ministerium, Universität
und Klinikum als besonders erfolgreich sehen, wenn sie Kosten auf
andere "wegdrücken".
Und dies vor der Einführung
einschneidender Änderungen im Gesundheitswesen!
Im nächsten Jahr wird die so
genannte Fall-Pauschale kommen. Dies wird bedeuten, dass jedes Kind,
das mit Krebs oder lebensbedrohenden Erkrankungen des Blutes bei uns
behandelt werden muss, ein "Fall" ist. Und dieser "Fall"
bringt einen bestimmten Geldbetrag in die Kasse der Klinik.
Wer entscheidet, wie hoch der Betrag
für diesen "Fall" ist? Ist für die Kalkulation
pro "Fall" berücksichtigt, dass ein erheblicher Teil
der Kosten, die dieser "Fall" verursacht, derzeit nicht von
der Klinik bezahlt wird? Was passiert, wenn dieses Standbein der
Fremdfinanzierung wegfällt?
"Jedes Kind hat seinen eigenen
Krebs!" - ein Satz, der auf die Kinderonkologie ganz sicher
zutrifft. Jede Erkrankung hat seine besondere Zellentartung, seine
besondere Diagnostik und Behandlung, seinen besonderen Verlauf! Dies
kann schicksalhaft zu einer sehr schnellen Heilung, zu einem sehr
plötzlichen Ableben, aber auch zu jahrelanger Behandlung mit
intensiver medikamentöser Therapie, mit chirurgischen
Eingriffen, Amputationen, Reha-Maßnahmen (auch mit der Familie)
usw., führen.
Wer würde sich zutrauen, gleich
bei Diagnosestellung zu entscheiden, wie dieser "Fall"
einzuordnen ist, damit ausreichend Geld zur Verfügung steht?
Oder kommen wir dahin, dass man
möglichst nur "Fälle" behandeln will, die
möglichst schnell - so oder so - gelöst werden
können? Kinder, die an Krebs erkranken, haben nicht geraucht,
waren nicht Asbest ausgesetzt, d.h. die Erkrankung kommt
schicksalhaft, ohne dass man die Ursachen kennt.
Deshalb kann die Behandlung nicht
kausal sein, sondern sie orientiert sich an Erfahrungen des "Mainzer
Krebsregisters". Es wird also eine Möglichkeit nach der
anderen versucht. Fast nie führt die erste Behandlung zum
Durchbruch. Bei mehr als 70% der Kinder kann nach jahrelanger
strapaziöser Behandlung eine Heilung erreicht werden. Aber bei
jedem zweiten von drei Kindern muss eingesehen werden, dass es keine
Heilung geben wird.
Selbstverständlich ist mir
bewusst, dass alle im Behandlungsteam unserer kinderokologischen
Abteilung jeden Strohhalm der Rettung für ihre Patienten
nutzen. Aber wie würde dies aussehen unter Personalmangel und
anderem Kostendruck?
Manchmal bin ich es schon etwas Leid,
Standards und moderne Errungenschaften in der Behandlung
krebserkrankter Kinder vor den Klauen von "Kostensparern"
zu verteidigen.
Deshalb stehen für mich jetzt auch wieder folgende Ziele besonders im Blickpunkt:
- Wir werden das H O P (e) - Center München im "Hauner" mitgestalten. Dies bietet
- eine Zusammenführung von unschätzbarem Wissen über die Behandlung von Krebs bei Kindern,
- optimale Nutzung von Personal und Sachmitteln und
- einen Nucleus der kurzen Wege für Ausbildung und Forschung.
- Als wesentlichen Schritt zur Verwirklichung werden wir alle unsere Möglichkeiten
einsetzen, das neue Stammzell-, bzw. Knochenmark-Transplantationszentrum zu bauen.
- Wir müssen unsere laufenden Erleichterungen für die Kinder weiterfinanzieren.
- Wir werden uns aber mehr auf unsere alten Tugenden zurückbesinnen, um
- den Kindern selbst und ihrem Umfeld das Schicksal Krebs zu erleichtern,
- ein Projekt der Nachsorge geheilter Kinder oder verwaister Eltern mitzutragen und
- gezielt Forschungsprojekte zu unterstützen. Dazu werden wir
vermehrt mit der Mehr Leben für krebskranke Kinder -
Bettina-Bräu-Stiftung zusammenarbeiten.
Lieber Spender, lieber Gönner,
liebes Mitglied, es gibt etwas, worauf ich besonders stolz bin: auf
Sie und das Vertrauen, das Sie in unsere Arbeit setzen!
Manchmal habe ich schon Bedenken, wenn
ich wieder den Mund besonders voll nehme und einige tausend Euro für
ein beantragtes neues Projekt zusage. Aber bisher ist es immer
gelungen, überlegte und sinnvolle Ausgaben für die Kinder
auch zu finanzieren.
Dies war nur möglich, weil
tausende von Bürgern unsere Ideen mittragen.
Wir arbeiten zwar stets sehr dezent und
ohne viel Medienrummel, aber wir können versichern, dass jeder
Euro unmittelbar dem Ziel dient, der Krankheit Krebs bei Kindern mehr
LEBEN abzuringen.
Dafür danke ich Ihnen herzlichst!
Ihr Ernst Bauer
*) engl.: Diagnosis related groups
Der Orginaltext als PDF-Dokument (58 kB)
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