Logo Onkie Nr.3 - Sommer 2001

Das Magazin der Hämatologisch-Onkologischen Abteilung
im Dr. von Haunerschen Kinderspital München
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Knochenmarktransplantation im LAF
LAF 1

Unser Team
LAF 2
Dr.Albert,Dr.Schulze,Sr.Maria,Sr.Monika,Sr.Birgit,Sr.Elsbeth,Sr.Andrea,Sr.Simone,Sr.Susanne,Mariza

Unser Team umfasst zwei Stationsärztinnen/-ärzte, acht examinierte Kinderkrankenschwestern und eine Stationshilfe.

Zusammen mit den Eltern, dem psychosozialen Team, Lehrern, Erziehern, Seelsorgern und den Physiotherapeuten ist es unser Ziel, die Kinder während der KMT-Zeit optimal zu versorgen.


Maria Fischer, Elsbeth Lorenz, Claudia Schimmack, Birgit Schumann, Simone Wager

Was bedeutet eigentlich "LAF"???
LAF ist die Abkürzung für Laminar-Airflow. Diese Einheit ist ein "Raum-in-Raum"-System,auch "Zelt" genannt,das während der kritischen Tage der Transplantation für saubere,gefilterte und keimarme Luft sorgt. Im LAF-Raum strömt gleichmäßig und fast lautlos von oben nach unten gefilterte Luft. Es herrscht ein leichter, kaum spürbarer Überdruck. Dieser verhindert das Eindringen von Keimen bei geöffneter Patiententür. Steht man im Elternraum vor dem Fenster zum LAF, spürt man einen deutlichen Luftzug.

Wann bekommt man eine Knochenmarktransplantation?
Eine KMT wird durchgeführt

  • bei manchen Krebserkrankungen
  • bei angeborenen schweren Immundefekten
  • bei bestimmten angeborenen Stoffwechselerkrankungen und
  • bei schweren aplastischen Anämien

    Wie wird eine KMT durchgeführt?
    Zuerst wird ein Knochenmarkspender gesucht. Dieser ist oft unter Geschwistern oder in der Familie zu finden. Gibt es innerhalb der Familie keine Person mit passenden Gewebemerkmalen,wird ein Fremdspender gesucht.

    Die Suche nach dem geeigneten Spender und die Planung der KMT kann einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

    Nach der Aufnahme ins LAF erhält der Patient eine hochdosierte Chemotherapie bzw. je nach Grunderkrankung zusätzlich eine Teil- oder Ganzkörperbestrahlung. Diese Behandlungen sind notwendig,um das eigene,kranke Knochenmark außer Kraft zu setzen und Platz für ein neues,gesundes Knochenmark zu schaffen.

    Das Knochenmark,das die Blutstammzellen enthält, wird dem Spender in Vollnarkose aus dem großen Beckenknochen entnommen.

    In manchen Fällen werden statt Knochenmark periphere Stammzellen (PBSC) transplantiert. Das heißt,das Knochenmark wird mit einem auch natürlich im Körper vorkommenden Wachstumshormon stimuliert. Danach werden die Stammzellen über eine Armvene,ähnlich wie bei einer Blutwäsche, abgefiltert.

    Die gewonnenen Zellen werden von den Ärzten und MTAs aufbereitet und dem Empfänger wie eine Blutkonserve über den Hickman-Katheter transfundiert.Durch einen bestimmten,bisher nicht klar erforschten Reiz finden die transplantierten Zellen den Weg in die Markknochen des Empfängers.

    Nach zwei bis vier Wochen sind sie im Mark des Empfängers angewachsen, was man in den täglichen Blutproben erkennen kann. Bis dahin dauert die Phase, in der der Patient besonders vor Infektionen geschützt werden muss. Dies ist auch der Grund, warum die Kinder in einer LAF-Einheit isoliert sind.

    Der KMT-Termin steht fest -was nun?
    Zwei bis drei Wochen vor der Knochenmark-oder Stammzelltransplantation findet im LAF ein Elterngespräch statt. Dabei erfahren Eltern und Kinder alles über den gesamten Ablauf der Transplantation aus Sicht der Ärzte,des Pflegepersonals und des psychosozialen Teams. Alle auftretenden Fragen oder Probleme können gemeinsam vor Ort erklärt werden. LAF 2

    Einschleusen ins LAF
    Am Tag der Aufnahme werden die Kinder ins LAF eingeschleust. Das bedeutet, dass die Kinder in einer desinfizierenden Jodlösung gebadet werden. Die Bakterien auf der Haut werden dadurch stark vermindert. Für die folgende Zeit der ausgeprägten Abwehrschwäche ist es wichtig, die Patienten sowohl vor eigenen als auch fremden Keimen und damit vor Infektionen zuschützen. Nach dem Bad werden die Kinder ins Zelt gebracht. Dort werden sie am ganzen Körper eingecremt, der "Hicki-"Verband wird erneuert und Infusionen angehängt.

    Die Kinder müssen nun für die Zeit der Chemotherapie, der KMT und der Zeit, bis die neuen Zellen angewachsen sind, in der LAF-Einheit bleiben. Meistens sind das vier bis sechs Wochen.

    Hilfe,es wird langweilig!
    Nein!Die Eltern haben schon einige Tage vorher Lieblingsspielzeug und Kuscheltiere, die ebenfalls ins LAF eingeschleust werden, auf die Station gebracht. Außerdem gibt es einen Fernseher,Videorecorder, Radiorecorder mit CD-Spieler und ein Telefon.

    Erzieher,Lehrer,Physiotherapeutinnen und Psychologen kommen nach einem individuellen Stundenplan und bringen Abwechslung ins Zelt. Manchmal ist auch Zeit,um mit den Schwestern zu ratschen und zu spielen.

    LAF 2
    Einmal in der Woche kommen die Klinik-Clowns zu Besuch.

    Was passiert den ganzen Tag?
    Um 8 Uhr morgens wechselt die Schwester die Infusionssysteme und entnimmt dabei Blutproben. Meistens kommen zu dieser Zeit auch schon die Eltern zu Besuch. Sie haben die Möglichkeit, den ganzen Tag über bei ihren Kindern zu bleiben. Die Eltern können entweder zu Hause oder in der hierfür reservierten Elternwohnung übernachten.

    Wenn die Kinder ausgeschlafen haben,gibt es Frühstück.

    Am Vormittag erfolgt die Visite durch den/die Stationsarzt/-ärztin, wobei die Kinder von Kopf bis Fuß untersucht werden. Damit sich das Ausziehen für die Kinder auch gelohnt hat, erfolgt anschließend mit Hilfe der Schwester die morgendliche Ganzkörperwäsche. Während dieser Zeit haben die Eltern die Möglichkeit, Kaffee zu trinken oder Besorgungen zu erledigen. Danach können sich die Kinder je nach Bedürfnis ausruhen oder mit den Eltern spielen.

    Hunger und Appetit bestimmen den Zeitpunkt des Mittagessens,das sich die Kinder am Tag vorher aussuchen dürfen. Mehrmals täglich müssen Tabletten oder Säfte eingenommen werden.

    Zwischendurch wird häufig Fieber und Blutdruck gemessen. Die Patienten sind die meiste Zeit über zur Sauerstoffmessung an das Pulsoximeter angeschlossen.

    Es ist soweit: die Zellen sind angewachsen!
    Etwa zwei bis vier Wochen nach der Transplantation kann man am Blutbild erkennen, dass sich neue Leukozyten bilden. Das ist dann auch der Zeitpunkt, zu dem die Kinder aus dem Zelt ausgeschleust werden. "Ausschleusen" bedeutet aber nicht, dass die Station verlassen werden kann, sondern, dass die Zelttür nun geöffnet wird,und die Kinder auch den Vorraum des LAF mitbenutzen können. Ziel ist es nun,die Patienten wieder auf ein Leben "draußen" vorzubereiten.

    Bei stabilem Allgemeinzustand werden die Kinder tagsüber stundenweise von der Infusion abgestöpselt. Nun haben die Patienten die Möglichkeit, auf dem Flur oder im Park spazieren zu gehen. Dabei ist es wichtig, dass sie einen Mundschutz tragen. Außerdem brauchen die transplantierten Kinder eine Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor, da die Haut sehr empfindlich ist.

    Hurra - es geht nach Hause!
    Wenn alles gut überstanden ist, d.h.,wenn die Kinder genügend eigene Leukozyten haben, fieberfrei und von den Infusionen unabhängig sind,werden sie nach Hause bzw. in die Elternwohnung entlassen.

    Die weitere medizinische Betreuung findet anfangs 2 bis 3 Mal wöchentlich in der onkologischen Tagesklinik durch die Stationsärzte des LAF statt. Somit können unsere Patienten und ihre Eltern anfallende Fragen und Probleme ständig vor Ort klären.

    KMT =Knochenmarktransplantation,LAF =Laminar-Airflow
    PBSC =Periphere Blutstammzellen,Hicki =Hickman-Katheter

    Der Orginaltext als PDF-Dokument (333 kB)

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  • © 2000-2012 Elterninitiative Intern 3
    Zuletzt aktualisiert durch Udo Fischer, 15.10.2011